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Traumberufe in Lippstadt

Ausbildung Tischler

(m/w/d)

Das Tischler-Handwerk

Tischlerei Zimmermann in Hamm
Geselle Eckhardt Geisthövel (27) steht kurz vor seiner Meisterprüfung. Fast ist sein Meisterstück, ein eleganter Wohnzimmerschrank aus Eichenholz, fertig. Genau 16 Tage Zeit hat er dafür. Foto: Wissing

„Ich liebe den lebendigen Werkstoff Holz“

Tischlermeister Sebastian Raneck ist von klein auf Handwerker mit Leib und Seele

Von Helga Wissing

Erwitte-Norddorf. „Wir lieben Holz“ ist auf der Homepage der PaRa-Holzwerkstatt in Erwitte-Norddorf zu lesen. Und das ist nicht nur ein Slogan, sondern es wird auch gelebt. Das wird im Gespräch mit dem Inhaber, Tischlermeister Sebastian Raneck, schnell deutlich. Der zweifache Familienvater hat das Unternehmen, in dem unter anderem maßgetischlerte Möbel gefertigt werden, aber auch Türen, Treppen und Holzböden zum Angebot gehören, im Jahr 2012 übernommen, immer wieder modernisiert und seither erfolgreich geführt. Unterstützt wird er von zwei Gesellen und einer Auszubildenden.

Wie ist in Ihnen der Wunsch, Tischler zu werden, entstanden?

Die Faszination, mit Holz umzugehen, entstand schon in der Grundschule im Werkunterricht. Seither hat sich das auch nicht mehr geändert. Ich war auch immer schon handwerklich begabt. Wenn es zu Hause in dieser Richtung etwas zu tun gab, habe ich das übernommen. Mit knapp dreizehn Jahren bin ich jedes Wochenende mit dem Fahrrad zu der Tischlerei gefahren, die ich später übernommen habe, um dort auszuhelfen. Holz war immer schon mein Material, das man wunderbar formen, fräsen und schneiden kann. Ich liebe die Haptik, die Struktur und den unvergleichlichen Geruch. Mich begeistert die Vielfalt, vom individuell gestalteten Möbelstück bis zur Arbeit an einem Fachwerkhaus. Etwas Besonderes ist es auch, wenn das Haus unter Denkmalschutz steht.

Was macht Ihr Handwerk zu einem Traumberuf?

Wie ich schon sagte, vor allem der Umgang mit diesem natürlichen Werkstoff. Holz ist ein lebendiges Material, im Gegensatz zu Stein oder Metall. Jedes Stück Holz ist anders. Das erfordert eine gewisse Achtsamkeit. Mal kann es einen Riss haben oder die Oberfläche verfärbt sich beim Versiegeln. Schon bei der Holzauswahl gilt es zu berücksichtigen, was man später damit vor hat.
In meinem Beruf gibt jeden Tag etwas Neues, immer wieder eine neue Herausforderung. Auf der einen Seite kann man sehr kreativ sein, auf der anderen geht es aber auch darum, mit den Kunden über deren Vorstellungen zu sprechen, sie zu beraten und die Wünsche umzusetzen.

Leidenschaft zu dem Werkstoff Holz

Was sollte junge Menschen mitbringen, die sich für den Beruf interessieren?

Erst einmal die Liebe und die Nähe zu Holz, eine gewisse Leidenschaft muss da sein. Natürlich auch technisches Verständnis und handwerkliche Begabung. Bei aller Kreativität sind aber auch praktisches Denken und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen eine Voraussetzung. Man muss auch kein Mathegenie sein, aber die wichtigsten Rechengrundlagen sollten da sein, schließlich rechnen wir millimetergenau. Hinzu kommt auch eine gewisse körperliche Belastbarkeit, es ist ein Beruf, bei dem man anpacken und auch mal schwer tragen muss.

Können Frauen das auch leisten?

Der beste Beweis ist doch, dass ich zum zweiten Mal eine weibliche Auszubildende eingestellt habe. Jungs sind schon körperlich belastbarer, dafür sind die Mädchen teilweise in der Endbehandlung von Holz genauer und haben manchmal auch ein besseres Auge fürs Detail. Daher beschäftige ich die weiblichen Auszubildenden eher in der Werkstatt und nehme die Jungen häufiger mit auf die Baustellen. Meine Auszubildende Pauline war von den Bewerbern letztes Jahr eine der Besten. Nach zwei Tagen Probearbeiten stellt man auch fest, ob die Chemie stimmt.

Gibt es im Handwerk inzwischen viele Frauen?

Sagen wir mal, es nimmt zu. Wie viele es prozentual sind, weiß ich nicht genau. In den Berufsschulklassen sind durchschnittlich ein bis zwei Frauen. Ich sehe für Frauen durchaus Chancen im Handwerk.

Tischlerei Zimmermann in Hamm
Auszubildende Pauline Böckmann schleift gerade eine Vollholzplatte. Die junge Frau zeichnet sich nach Ansicht ihres Lehrherrn durch genaues Arbeiten, Geschicklichkeit und ein gutes Auge fürs Detail aus. Foto: Wissing
Tischlerei Zimmermann in Hamm
Tischlermeister Sebastian Raneck (li.) schätzt Frauen im Handwerk. Pauline Böckmann (21) ist schon die zweite weibliche Auszubildende in seinem Betrieb in Erwitte-Norddorf. Foto: Wissing

Wie sieht es mit Weiterbildungsmöglichkeiten aus?

Man kann den Meister machen und dann natürlich auch selbst ausbilden. Der Meistertitel befugt einen, selber zu konstruieren. Man kann sich selbstständig machen, auch als Geselle. Aber dann darf man als reiner Montagebetrieb nur genormte Einzelteile einbauen. Man kann im Anschluss an die Ausbildung auch das Fachabitur machen und an einer Fachhochschule studieren. Genauso ist die bestandene Meisterprüfung die Eintrittkaste für das Studium.

Wie schätzen Sie generell die Zukunft des Tischlerhandwerks ein?

Aus meiner Sicht sehr gut. Von der Auftragslage her werden Tischler immer gebraucht. Vieles muss noch von Hand gemacht werden, was man nicht durch Maschinen ersetzen kann. Den Rohstoff Holz wird es immer geben und da es nach wie vor noch einen gewissen Mangel an Auszubildenden und Gesellen gibt, haben Bewerber auch große Chancen, der Bedarf ist da.

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3 gute Gründe

Obermeister Schwienhorst

Christian Schuster, Obermeister der Tischler-Innung Soest-Lippstadt

Herr Schuster, warum empfehlen Sie eine Ausbildung zum Tischler?

Schuster: „Holz ist einer der schönsten Werkstoffe und lässt sich relativ gut bearbeiten. Deshalb macht Tischlern so große Freude. Außerdem erfährt man täglich eine Bestätigung seiner Arbeit und geht zufrieden nach Hause, weil man sieht, was man den ganzen Tag gemacht hat.“

Das klingt spannend. Welche Fähigkeiten sollten die Menschen mitbringen, wenn sie Tischler werden wollen?

Schuster: „Wichtig sind handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit, denn man trägt natürlich auch eine Verantwortung den Kollegen gegenüber. Das wichtigste Schulfach ist auf jeden Fall Mathematik und eine gewisse körperliche Fitness sollte auch vorhanden sein.“

Was sind die Hauptaufgaben eines Tischlers?

Schuster: „Kunden glücklich zu machen. Mit unseren individuellen Lösungen können wir Menschen quasi von der Wiege mit Leuchthimmel bis zum Sarg begleiten. Da wir nicht nur mit Holz, sondern auch mit vielen anderen Materialien arbeiten, können wir für den Kunden vielfältige Wünsche umsetzen – beispielsweise tolle Stauraumlösungen in kleinen Wohnungen entwerfen, Nischenplätze mit Essecken ausschmücken, neue Lebensräume in der Küche schaffen oder mit einzigartigen Möbeln mehr Atmosphäre ins Wohnzimmer zaubern.“

Die fakten zur Ausbildung

Ausbildungsdauer

3 Jahre

 

Vergütung monatlich:

680 € im 1. Lehrjahr
790 € im 2. Lehrjahr
880 € im 3. Lehrjahr

 

Abgeschlosssene Ausbildungsverträge
in 2020 in der Innung Soest / Lippstadt

31 (1. Lehrjahr) / 86 insgesamt

 

Berufsschulstandort:

Soest

 

Weitere Zahlen:

Aktuell hat die „Tischler-Innung Soest-Lippstadt“ 102 Mitgliedsbetriebe in ihren Reihen.

 

Der Beruf in aller Kürze

 

Ein Tischler baut Möbel, Inneneinrichtungen, Fenster, Türen sowie Messe- und Ladeneinrichtungen. Oft handelt es sich bei den Werkstücken um Einzelanfertigungen. Er arbeitet mit modernen, teilweise computergesteuerten Maschinen. Aber auch die Grundfertigkeiten Sägen, Hobeln, Schleifen und die Behandlung von Holzoberflächen müssen beherrscht werden. Tischler bauen verschiedenen Erzeugnisse und reparieren beschädigte Möbel und andere Einrichtungsgegenstände.

 

Weitere Infos zur Ausbildung unter www.tischler-nrw.de.

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